Eine Berufsbildnerin weist eine Lernende an. Bild: VSSM
Zum zweiten Mal hat der Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) unter den Abschlussklassen der Schreiner:in EFZ und Schreinerpraktiker:in EBA 2026 eine Umfrage durchgeführt. Sie zeigt ein insgesamt erfreuliches Bild der Ausbildung. Allerdings geben nur rund 50 Prozent der Befragten an, sicher im Beruf bleiben zu wollen. Ein Warnsignal, bei dem der Verband ansetzen möchte.
Ein erheblicher Anteil der ausgebildeten Fachkräfte verlässt nach dem Lehrabschluss die Schweizer Schreinerbranche. Die bereits bestehende Lücke an Fachkräften wird dadurch zusätzlich verschärft. «Trotz stabiler Ausbildungszahlen ist die Herausforderung gross, junge Berufsleute nach der Lehre im Schreinerberuf zu halten und langfristig an die Branche zu binden», heisst es im Umfragebericht.
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Zweite Umfrage soll helfen, besser zu verstehen
Vor diesem Hintergrund hat der VSSM im Frühjahr 2026 zum zweiten Mal eine Umfrage bei den Lehrgängerinnen und Lehrabgängern Schreiner:in EFZ sowie Schreinerpraktiker:in EBA durchgeführt. Mit dem Ziel, die Ursachen dieser Entwicklung besser zu verstehen. Im Zentrum stand die Frage, weshalb viele Schreinerinnen und Schreiner nach ihrer Ausbildung aus dem Berufsfeld ausscheiden – sei es durch einen Branchenwechsel, durch Weiterbildungen ausserhalb des Handwerks oder durch die Aufnahme anderer Tätigkeiten.
Konkrete Hinweise für Massnahmen
Neben der Ursachenanalyse verfolgt die Umfrage einen lösungsorientierten Ansatz: Sie soll konkrete Hinweise darauf liefern, wie Ausbildungsbetriebe, Schulen und Verbände die Ausbildung und das Berufsmarketing künftig gezielter gestalten können, um die Attraktivität des Schreinerberufs zu stärken und junge Fachkräfte langfristig im Berufsfeld zu halten. Im Fokus stehen dabei sowohl strukturelle als auch inhaltliche Massnahmen entlang der gesamten Bildungskette – von der Berufswahl über die Lehrzeit bis hin zu den ersten Berufsjahren nach dem Abschluss.
517 Lernende (437 EFZ und 80 EBA) aus der ganzen Schweiz haben die Umfrage, die online und anonym durchgeführt wurde, abgeschlossen. Die Beteiligungsquote lag damit bei rund 46 Prozent, war aber gegenüber 2025 (52 Prozent) tiefer.
Wieder hohe Zufriedenheit
2026 blieb die Gesamtzufriedenheit mit der Lehre auf einem sehr hohen Niveau. 91,1 Prozent der Lernenden beurteilten ihre Ausbildung als positiv oder sehr positiv. 8,9 Prozent hingegen äusserten sich negativ, davon 1,4 Prozent als sehr negativ. Damit zeige sich im Vergleich zum Vorjahr weiterhin ein sehr stabiles Bild. «Die wenigen sehr negativen Bewertungen verdienen dennoch besondere Aufmerksamkeit, da sie auf individuelle Problemlagen oder strukturelle Herausforderungen hinweisen können.»
Die Zufriedenheit ist bei den überbetrieblichen Kursen (üK) am höchsten (94%), gefolgt von der Berufsfachschule (91%) und dem Lehrbetrieb (85%). Besonders geschätzt werden bei den üKs die Fachkompetenz der Kursleitenden, deren Unterstützung sowie die praxisnahe Vermittlung der Inhalte.
Die Qualität der Betreuung im Betrieb ist enorm wichtig
Die Qualität der Betreuung im Lehrbetrieb ist der wichtigste Faktor für die Gesamtzufriedenheit. Dies hat sich speziell bei der Möglichkeit der offenen Rückmeldungen gezeigt. Positive Erfahrungen werden vor allem mit engagierten Berufsbildenden, einer guten Betreuung, einem respektvollen Umgang und einer vielseitigen praktischen Ausbildung begründet. Negative Rückmeldungen stehen demgegenüber meist im Zusammenhang mit mangelnder Begleitung, einem schwierigen Betriebsklima oder einer ungenügenden Ausbildungsqualität.
Einige Verbesserungsvorschläge
Die Befragten konnten auch Verbesserungsvorschläge machen. Diese betrafen vor allem mehr Wertschätzung, bessere Kommunikation, klarere Strukturen und höhere Löhne. Mit den Anzahl Ferientagen waren die meisten hingegen zufrieden. Die Zeit zum Lernen wurde oft als knapp beschrieben. «Das grösste Entwicklungspotenzial liegt weiterhin im betrieblichen Umfeld. Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität der Begleitung durch Berufsbildende und Unternehmer zwischen den Betrieben stärker variiert als bei den schulischen Lernorten. Eine gezielte Förderung der Ausbildungskompetenzen sowie der persönlichen Begleitung im Lehrbetrieb dürfte deshalb einen wichtigen Beitrag zur weiteren Verbesserung der Ausbildungsqualität leisten.»
Nur die Hälfte will im Beruf bleiben
Nur knapp die Hälfte (49,9 %) gab klar an, nach der Ausbildung weiterhin als Schreinerin oder Schreiner arbeiten zu wollen. 20,9 Prozent sagten, nach dem Lehrabschluss nicht im Beruf bleiben zu wollen. Weitere 29,2 Prozent waren noch unentschlossen. Das sei gegenüber 2025 eine deutliche Veränderung. Rund sieben Prozent weniger Lernende wollten im Beruf bleiben. Zeitgleich stieg der Anteil der Unentschlossenen an.
«Fast jede beziehungsweise jeder dritte Lernende hat sich kurz vor Abschluss der Lehre noch nicht entschieden, ob sie oder er weiterhin als Schreiner:in tätig sein möchte. Gerade diese Gruppe dürfte für die Branche von besonderem Interesse sein, da ihre Entscheidung möglicherweise noch durch die Erfahrungen in den letzten Monaten der Ausbildung, die Arbeitsbedingungen oder attraktive Entwicklungsmöglichkeiten beeinflusst werden kann.»
Ausbildungsqualität und Wertschätzung sind entscheidend
Die Hauptgründe für einen Wechsel sind die Löhne, die Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten sowie das Arbeitsklima. Die Entscheidung, in der Branche zu bleiben, hängt stark von der Ausbildungsqualität und der Wertschätzung im Betrieb ab. Immerhin gab jeder siebte Befragte an, dass sich nichts ändern müsste.
Die Ergebnisse liefern dem Verband, Berufsfachschulen und Lehrbetrieben eine fundierte Grundlage, um die Ausbildung gezielt weiterzuentwickeln. Der VSSM plant, verstärkt Massnahmen zu generieren, um die positive Ausbildungsqualität zu fördern und zu verbessern.