Dämme gegen die Regulierungsflut

Die Verbandsspitzen der Schreiner und Tischler aus den vier Ländern versammelten sich zum Gruppenbild vor dem Reschensee. Bild: Wolfgang Egger

Die zunehmende Zahl an Vorschriften, die Qualität der Aus- und Weiterbildung sowie der Umgang mit KI boten an der jährlichen Vierländertagung reichlich Gesprächsstoff für die Vertreterinnen und Vertreter der Schreinerbranche aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und dem Südtirol.

Dieses Jahr trafen sich die Spitzen der Schreinerverbände aus Deutschland, Österreich, dem Südtirol und der Schweiz in Reschen im Südtirol (I) zur Vierländertagung. Zentralpräsident Jürg Rothenbühler, Vizepräsident Basil Gasser und Direktor Daniel Furrer vertraten den Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM). Die Agenda war wiederum reich gefüllt mit Themen, über die man sich austauschen konnte und um allfällige Syner­gien und Erfahrungen zu nutzen. 

Die Regulierungsflut respektive neue EU-Vorschriften, die durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht umsetzbar sind, standen am ersten Tag im Mittelpunkt der Gespräche. Man war sich einig, dass hier in ­jedem Land Handlungsbedarf besteht und eine KMU-gerechte Umsetzung notwendig und einzufordern ist. Hierbei konnten spannende Ansätze ausgetauscht werden. 

Lehrorte sind nicht überall definiert 

Die Qualität der Lehrbetriebe und diejenige der Lernenden stellen bei allen Teilnehmenden ebenfalls eine Herausforderung dar. So ist die Spanne von sehr guten bis sehr schwachen Lehrbetrieben und Lernenden gross. Es zeigte sich auch, dass sich die Form der Ausbildungen in den einzelnen Ländern zum Teil stark unterscheidet, obschon alle ein duales Bildungssystem anwenden und umsetzen. So sind in der Schweiz die drei Lehrorte üK, Betrieb und Berufsschule klar definiert, was in den anderen Ländern nicht in dieser Klarheit geregelt ist. 

Nicht jeder Meister ist ein Master 

Hinsichtlich der Weiterbildung wurde über das Qualifikationsverfahren für Schreinermeister:innen diskutiert. Ein weiterer Austausch zu diesem Thema wird von einer Mehrheit der Teilnehmenden gewünscht. Dabei stellte man fest, dass in der Schweiz der Schreinermeister im Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) eine Einstufung auf Stufe 7 hat, was einem «Professional Master» entspricht, in anderen Ländern jedoch lediglich auf Stufe 6, was «Professional Bachelor» bedeutet.

Intensiv diskutierten die Versammlungsteilnehmenden ausserdem über Auswirkungen sowie mögliche Einsatzgebiete von KI. Einstimmigkeit herrschte darin, dass alle umdenken und KI-tauglicher werden müssen, insbesondere dort, wo sich dies als sinnvoll erweist und Arbeiten vereinfacht und automatisiert werden können. Nach zwei intensiven Sitzungshalbtagen zogen alle Teilnehmenden ein positives Fazit aus diesem Austausch und freuen sich bereits auf die nächste Vierländertagung. Dann werden die Österreicher Gastgeber sein.
 

Telefonanruf starten
Kontaktanfrage