Schreinerlehre: Die Lehrstellensituation bleibt stabil

Ein Schreinerlernender erhält Unterstützung bei der Arbeit. Symbolbild: VSSM

2024 haben rund zwei Prozent weniger Jugendliche eine Schreinerlehre angetreten, wie die Lehrstellenstatistik zeigt. Dies steht im Widerspruch zur steigenden Beliebtheit des Berufs in Befragungen und Messungen. 

Stabil, aber leicht rückläufig: So lässt sich die Lehrstellensituation der vierjährigen Lehre als Schreiner:in EFZ beschreiben. In der Lehrstellenstatistik des Bundesamts für Statistik für 2024 wurden 1182 Lehrverträge abgeschlossen. Im Vergleich zu 2023, in dem es einen Anstieg gab, sind das schweizweit 18 weniger, was minus zwei Prozentpunkte bedeutet. Im Gebiet des VSSM gab es sogar einen Rückgang um fünf Prozentpunkte, während bei der Frecem in der Westschweiz nach fünf Jahren erstmals wieder mehr Verträge unterzeichnet wurden. 

Unterstrichen wird die Lehrstellensituation von der neuen Erhebung des VSSM an Lehrstarts direkt in den Sektionen. Diese umfassen die Zahlen an Teilnehmenden in den überbetrieblichen Kursen (üK)  sowie den Anteil weiblicher Lernender. Im Oktober 2025 wurden insgesamt 889 neue Schreinerlernende gemeldet. Davon waren 143 weiblich, was 16 Prozentpunkte bedeutet. Die Differenz aller Lernenden zum Vorjahr beträgt minus zwei Prozent. 

Die Zahlen überraschen

Damit zeigt sich die Lehrstellensituation in der Schreinerbranche in der Schweiz nach wie vor als relativ stabil. Allerdings konnten im VSSM-Verbandsgebiet gegenüber dem Vorjahr weniger Lernende dazugewonnen werden als im gesamten schweizerischen Lehrstellenmarkt. «Dieser Wert überrascht. Insbesondere, da gleichzeitig das Interesse an unserem Beruf gemäss Umfragen sowie Messungen der digitalen Nutzung unserer Informationsplattform zum Beruf steigt», heisst es im Bereich Grundbildung des VSSM.

Im Nahtstellenbarometer zum Beispiel, einem schweizweiten Monitoring, das zweimal jährlich zeigt, wie gut der Übergang von der Schule in die berufliche Grundbildung funktioniert, hat der Schreinerberuf 2025 erstmals den siebten Rang in der Beliebtheitsskala erreicht. Damit war er hinter den Polymechanikern (Rang 5) der zweitbeliebteste handwerkliche Beruf bei den Jugendlichen. Es gilt deshalb zu prüfen, ob der langsame Rückgang der Lehrverträge weiter anhält und falls ja, was die Gründe sind. 

Weniger Lehrabbrüche

Es gibt aber auch Erfreuliches zu verzeichnen: 2024 gab es einerseits weniger Lehrabbrüche. Das Verhältnis zwischen neu unterzeichneten Lehrverträgen und den erfolgreich abgeschlossenen Ausbildungen ist mit 80,5 Prozent um 0,8 Prozentpunkte gestiegen. Anderseits entwickelt sich der Anteil junger Frauen in der Schreinerlehre weiterhin positiv. Von total 4114 bestehenden Lehrverträgen machen 811 Frauen einen Anteil von fast 20 Prozent aus. «Obwohl der Anteil der Frauen weiterhin ungenutztes Wachstumspotenzial bietet, muss die Branche zwingen auch wieder mehr motivierte und talentierte Männer für unseren tollen Handwerksberuf rekrutieren.»

Viele Frauen springen ab

Auffällig ist hingegen, dass verhältnismässig wenige Lehrabgängerinnen im späteren Erwerbsleben anzutreffen sind. Sei es in der Werkstatt oder im Büro. «Auch hier müssen alle Akteure grosse Anstregnungen unternehmen, damit das wertvolle und gut ausgebildete Fachkräftepotenzial stärker genutzt werden kann», heisst es beim VSSM. Zu viele Frauen wechseln nach der Ausbildung den Beruf oder bilden sich nicht weiter. Die Umfrage bei den Lehrabgänger:innen 2025 zeigte, dass sich zu diesem Zeitpunkt 20 Prozent der Befragten bereits entschieden hatten, den Beruf zu wechseln. Weitere 25 Prozent waren sich noch nicht sicher, ob sie im Beruf bleiben wollen. 

Mit der Reform der Höheren Berufsbildung hofft der VSSM, dass die Schreiner-Weiterbildungen auch für Frauen einen grösseren Mehrwert darstellen. Die Branche ist auch hier gefordert, die ausgebildeten Schreinerinnen entsprechend zu fördern und Weiterbildungen einzufordern. 

Auch weniger Schreinerpraktiker:innen

Bei der zweijährigen Grundbildung mit Attest «Schreinerpraktiker:in EBA», die es seit 2006 gibt, wurde in der Lehrstellenstatistik 2024 erneut ein Rückgang verzeichnet. 2023 waren es noch 219 Lernende, 2024 deren 187, was ein Minus von 15 Prozentpunkten bedeutet. Im Verbandsgebiet des VSSM waren es minus 13 Prozentpunkte. Der Anteil an Frauen konnte dabei um vier Prozentpunkte gesteigert werden. Trotz aller Anstrengungen ist der Berufseinstieg für Schreinerpraktiker:innen sehr anspruchsvoll. Talentierten EBA-Absolvierenden steht der nahtlose Übertritt in die Schreinerlehre EFZ offen. 

Der Boom bei den Zeichner:innen Innenausbau hält an

Weiterhin sehr beliebt ist die «Grundbildung Zeichner:in EFZ Fachrichtung Innenarchitektur» (ehemals Innenausbauzeichner:in). Der VSSM bildet gemeinsam mit der Vereinigung Schweizer Innenarchitekten und Architektinnen VSI.ASAI sowie der Berufsbildervereinigung BBV ZFIA die Trägerschaft der Ausbildung. Der Trägerverband aller fünf Fachrichtungen der Zeichnerberufe ist Plavenir. 2024 konnte die Fachrichtung Innenarchitektur 62 neue Lehrverträge verzeichnen. Das ist im Vergleich zu 2023 ein Plus von acht Verträgen. 77 Prozent aller Lernenden sind weiblich. 

In dieser Fachrichtung sind Lehrstellen weiterhin Mangelware, da sich deutlich mehr Jugendliche für die Ausbildung interessieren. Schreiner:innen EFZ können in einer zweijährigen Zusatzlehre diese attraktive Lehre absolvieren. 

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