SchreinerForum: Begeisterung als Erfolgsrezept

Moderatorin Vanessa Meier (links) stellt Butler Zita Langenstein nach deren Referat am SchreinerForum 2025 Fragen. Bild: Beat Baschung

Unter dem Motto «Mehrwerte schaffen – Kunden begeistern» gewährten am 7. Schreinerforum des VSSM, Menschen mit unterschiedlichstem Werdegang Einblick in ihr persönliches Erfolgsrezept. Ihr gemeinsames Fazit: Echte Emotionen sind der stärkste Mehrwert.

Die Schreinerbranche verfüge über viele besondere Gaben, sagte Telezüri-Moderatorin Vanessa Meier zur Einleitung des Unternehmertags im Trafo Baden AG. «Doch eines könnt ihr nicht so gut, euch selbst vermarkten», befand sie. «Da seid ihr zu bescheiden.»

Auf die Bescheidenheit der Schreinerbranche ging auch Jürg Rothenbühler ein. «Ihr investiert Stunden und Herzblut, bevor ihr einen einzigen Franken seht», sagte der Zentralpräsident des VSSM. «Stärken nutzen uns nur, wenn wir sie sichtbar machen und sie verrechnen.» Die Frage stelle sich, ob der Kunde nicht bereit sei zu zahlen oder ob die Schreinerinnen und Schreiner zu bescheiden seien, um ihren verdienten Anteil einzufordern. Damit sprach er ein zentrales Thema an, das Simon Schneider, Bereichsleiter Technik & Betriebswirtschaft beim VSSM, den Unternehmern zum Abschluss der Veranstaltung nochmals in aller Klarheit ans Herz legte: Planungskosten sollen klar ausgewiesen und verrechnet werden, denn sie stellen einen zentralen Teil des Auftrags dar.

Das Ergebnis vieler kleiner Schritte

Unkonventionelle Wege hat Geschäftsinhaber Markus Fust eingeschlagen. 1997 als Einmannbetrieb gestartet, zählt die Fust AG in Wil SG mittlerweile 85 Mitarbeitende und verfügt mit der Online-Schreinerei Ecoleo und der Pulverbeschichtung Woodcoat über drei stabile Standbeine. Gemeinsam mit Serge Eggler, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter der beiden Divisionen, sprach er über diesen erfolgreichen Weg. Die drei Standbeine seien das Ergebnis vieler kleiner Schritte, sagte Fust. Diese seien geprägt gewesen von Wagemut, Rückschlägen, Meilensteinen und von Glück. «Wir haben immer die Nischen gesucht», sagte Fust, denn wenn man produziere, was eh schon alle machten, dann entscheide der Preis. «Wir wollten besser sein, nicht billiger.» Es seien schon immer neue Technologien gewesen, welche die Menschen vorangebracht hätten, erklärte Eggler. Es gelte, diese zu erkennen und zu nutzen.

Grundhaltung kennen

«Alle sagen, es geht nicht. Dann kam einer, der hat das nicht gewusst und hat es gemacht», so beschrieb Erica Müller die Entstehungsgeschichte der Curdin Müller SA, welche sie 2017 gemeinsam mit ihrem Mann in Strada GR gegründet hat. Die beiden setzen auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Als Leiterin des zugehörigen Möbelladens «Butia Curdin Müller» in Scuol, weiss Erica Müller, welchen Wert der persönliche Kontakt zu Menschen hat. Man müsste der Kundschaft mit Freude und Überzeugung gegenübertreten, sagte sie. «Es ist wichtig, seine Grundhaltung zu kennen, sie immer wieder zu hinterfragen, um auf Kurs zu bleiben und sie so sichtbar wie möglich zu machen.»

Herausforderung: Mit weniger Leuten mehr machen

Das Thema Sichtbarkeit und Emotionen griff auch Dennis Reichardt, der neue Zentralpräsident des Gebäudetechnikverbands Suissetec auf. «Wir von der Gebäudetechnik schauen schon ein wenig neidisch auf eure Branche, denn ihr kreiert Emotionen. Da habt ihr einen Riesenvorteil», konstatierte der Inhaber der Klimamacher AG in Arbon TG. Mit der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz, dem «Fachkräftebedarf», wie er sich ausdrückte, und den steigenden Kundenerwartungen sah er aber auch viele ähnliche Herausforderungen. «Wir müssen mit weniger Leuten mehr machen, deshalb müssen wir unsere Prozesse überdenken», meinte er.

Reklamationen sind ein Fest

«Dienstleistungskompetenz aus Sicht eines Butlers», präsentierte danach Zita Langenstein. Die Leiterin Weiterbildung bei Gastrosuisse verriet als diplomierter Butler – nicht Butlerin – in einem unterhaltsamen Referat wie es gelingt, «das Gewöhnliche aussergewöhnlich gut zu tun». Dabei unterschied sie zwischen den Basisleistungen, die der Kunde voraussetzt; den Standards, die er erwartet; dem Erwünschten und dem Unerwarteten, das den Kunden begeistert. Daneben zeigte sie ein überraschendes Ergebnis einer Umfrage auf, aus welcher hervorging, dass die Anzahl der Kunden, die zu einem Unternehmen zurückkehrt, höher ist, wenn sie nach einer Reklamation vollkommen zufriedengestellt werden konnten, als wenn dies gleich beim ersten Versuch der Fall war.  «Reklamationen sind also ein Fest», konstatierte Langenstein.

Niemals die Vision verlieren

Genau gleich sah das Hubert Waeber, CEO der AHG-Group mit zwölf Garagenbetrieben zwischen Bulle FR und Biel BE: «Ich liebe Reklamationen, daraus gibt es die besten Fans», erklärte er. Genau wie seine Vorrednerinnen und Vorredner sprach er auch die Emotionen an und meinte: «Es ist wichtig, dass ihr und eure Mitarbeitenden Fan von eurem Unternehmen seid. Denn nur so gewinnt ihr auch die Kunden als Fans.» Als Verwaltungsratspräsident des HC Fribourg Gotteron, kennt sich Waeber mit dem Thema aus und sieht auch viele Parallelen zwischen Wirtschaft und Sport. «Es ist wichtig, die Vision niemals aus dem Kopf zu verlieren», erklärt er und wagte dabei folgende Prognose: «In den nächsten drei Jahren wird Fribourg Schweizermeister.»

Eine eigene Spur ziehen

«Erfolg kommt nicht von folgen», hielt André Lüthi fest. Als Verwaltungsratspräsident und Mitbesitzer der Globetrotter Group AG in Bern blickt er auf einen aussergewöhnlichen Lebenslauf zurück. Immer wieder hat er seinen Kurs geändert und auf seinen unzähligen Reisen und Abenteuern viel über das Leben gelernt. «Es braucht Mut, auf den Bauch und das Herz zu hören und eine eigene Spur zu ziehen», sagte er. Doch wenn man in anderen etwas entzünden wolle, müsse man selbst dafür brennen. Die Unternehmensführung verglich er mit einer Bergtour. «Bergführer und Gast wissen, wo sie hinwollen. Das sollte in Betrieben mehr so sein», befand er und fügte an: «Wenn ihr führt, müsst ihr die Spur legen. Dann aber nicht am kurzen Seil führen, sondern Vertrauen haben.»

Bevor die Gäste beim Apéro ihr Netzwerk vertiefen und über die gehörten Referate diskutieren konnten, griff Anita Luginbühl, Vizepräsidentin des VSSM-Zentralvorstands, die zentralen Werte in einem Schlusswort noch einmal auf und forderte die Anwesenden auf, ihre Begeisterung rauszutragen.

Monika Hurni, Schreinerzeitung

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